Sorgeeckemühsam

Sorgeeckemühsam

Dienstag, 29. Januar 2013

Als sie einmal (nicht) im Kater Holzig war. Ein Traummärchen.

Malerisch am Landstreifen der Spree gelegen, winkt der dicke Behemoth der vorbeifahrenden S-Bahn Reisenden an diesem Samstag mit der Glückskatzenpfote zu und er scheint mehr zu flüstern, als zu mauzen: komm in meine bunte Zirkuszeltbudenwelt. Ich werde dich verzaubern. Ach komm doch, komm in mein Holzlegoland, ich lasse dich die „Wilde Renate“ und den „Ritter Butzke“ vergessen. Gut speisen sollst du und dich an Tanz und Musik erfreuen. Die Reisende, sonst durchaus daran gewöhnt Sirenengesängen zu widerstehen, folgt Odysseus gleich, dem Ruf der sagenumwobenen Veranstaltungsstätte des neuen Berlin: Sie steigt aus.  Jannowitzbrücke im Baumwolljäckchen, Zufälle gibt’s!

Im plötzlichen Strom der Mitfußgänger ist eine illustre Abendgesellschaft gleichen Zieles auszumachen: Die Hyäne im Pelz, Herr Riesenvogel und jene Frau an deren Oberarmen sich eine dünne Blutspur windet. Eindeutig eine windige Braut- denkt sie noch, bevor die holzige Türe sich öffnet und sie verwundert und noch etwas stumpf im eigenen Bretonkopf mehr fliegend als gehend Eintritt erhält.
Hier, bei gedämpfter Musik bleibt ihr nichts weiter übrig als  sich mitten ins teefarbene Licht der Holztäfelung auf einen Sessel zu legen. Augenblicklich naht das Personal in Form eines watschelnden Pinguins: „Heute Cocktail! Also ich empfehle Ihnen den Magarita, den trinkt auch der Meister am liebsten, nun ja, ehrlich gesagt er hat ihn erfunden. Sie können natürlich auch Coco Loco wählen. Die Gedanken sind ja frei! Außerdem wollte ich Sie darauf hinweisen, dass wir zu unserer aktuellen Showeinlage um Mitternacht den Architekten unseres Hauses begrüßen dürfen. Da er selbst blind ist, werden alle Gäste für die anstehende Führung durch die Räumlichkeiten mit Augenbinden ausgestattet.“ Und während ihr nur für Sekunden Zeit bleibt „Magarita bitte“ zu murmeln, erblickt sie noch einen Wimpernschlag lang, die Hyäne und den Riesenvogel, die sich im Engtanz von der bluttropfenden Windsbraut umwirbelt zur Pierrotmusik drehen, bevor der Pinguin seinen Frack über ihren Augen schließt.
Ein leichte Müdigkeit überfällt sie und gedämpft im Angesicht des finalen Schlafes dringt nunmehr fast sanft eine Lautsprecherstimme an ihr Ohr: „Die Eltern des riesigen Vogels, der Hyäne und der Windsbraut werden dringend gebeten ihre Schützlinge an der Bar abzuholen...“
„Och nö…“ – hört sie die Hyäne maulen –„… jetzt müssen uns Leonora und André schon so früh nach Hause bringen.“  

Schon wieder solche Prenzlauer Berg Kinder, die ihre Eltern beim Vornamen nennen…

Das ist es…, denkt sie noch, … der Meister hat zwar mit Ma(r)garitas seine Rechnung gemacht, dabei aber den Kater vergessen einzusammeln. Der fuhr noch lange ziellos mit der Straßenbahn durch die große Stadt, bis er flugs Veranstaltern aufs Dach stieg. Alles bloß gestohlen. Da hat ihr doch jemand einen Kater aufgebunden!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen