Meine Freundin erzählte mir neulich, dass ihr Freund ständig neue Dinge in ihre gemeinsame Wohnung bringe und sie täglich versuche, diese oder andere wieder heraus zu tragen. Während der eine heranschafft, mistet die andere aus. Das gehe eigentlich so, seit sie zusammen seien, so meine Freundin. Er bringe Einkäufe rein, sie bringe den Müll runter. Er kaufe Flickzeug, sie schmeiße Schläuche weg. Er kaufe die Zeitung, sie sitze vorm PC.
Manchmal, wenn sie eher zu Hause sei als er, stünde sie am Fenster, eine Hand am Rahmen und sähe hinunter. Sie warte. Sie warte auf ihn und auf das, was er heute mitgebracht hätte. Sie hätte sich meist schon vorbereitet. Gestern hätte sie die ganzen aufbewahrten Geschenktüten, noch wie neu, zusammengetragen und in den Hinterhof gebracht. Er würde es nicht bemerken. Er dürfe nur nicht dabei sein.
Dann käme er um die Ecke, einen Sack geschultert. Er hätte etwas gefunden, etwas was noch gut und wie neu sei. Sie sähe es ganz deutlich an seinem Siegerlächeln und der Verachtung, die für den Liegenlasser um seine Mundwinkel spiele. Sie winke ihm von oben zu, mache gute Miene. Er zeige strahlend auf den Sack. Da werde sie sich aber freuen, deute er grimassierend an. Oben angekommen schmisse er ihr den Sack zu Füßen, heraus quille irgendetwas, dass man mal brauchen könne. Irgendwann.
Sie müsse nun sofort etwas unternehmen, sie hätte das Gefühl ihre Wohnung würde plötzlich schrumpfen, sie ersticke bald, sie bräuchte Luft, sie keuche, huste, fasse sich an den Hals und sage ganz plötzlich zu ihrem Freund: Schatz ich geh eben noch zu Kaisers, soll ich was mitbringen? Er sei geradezu begeistert, wolle mitkommen, sie lenke ab, wolle nicht, er gäbe ihr eine Liste, sie stecke sie ein und gleich dazu noch drei vier Pullover von vor drei Jahren, die niemand je angezogen hatte. Die nähme sie dann und schmeiße sie auf dem Weg in den Humana Container. Dann sei es besser. Als sie zurückkomme, stehe oben schon ihr Freund am Fenster und winke und warte, was sie mitbrächte. Es sei ein halbes Mischbrot und eine Gurke. Seine Augen blinzelten ein bisschen enttäuscht aber sie äßen zusammen bis beides restlos verschwunden sei, so meine Freundin.
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